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Prinzenhaus Schloss Schieder

Vom Mauerblümchen zur Perle des Kurparks – Das Prinzenhaus von Schloss Schieder

Denkmal des Monats
Februar 2026

Das Prinzenhaus von Schloss Schieder

Wer hätte noch vor wenigen Jahren geahnt, welches Potential in dem kleinen Häuschen im Landschaftspark des Schlosses Schieder steckt? Unpassende Umbauten in den 1960er-Jahren und jahrelanger Sanierungsstau führten zu einem traurigen Eindruck. Einzig der im Volksmund überlieferte Titel „Prinzenhaus“ ließ noch auf die besondere Bedeutung des Hauses schließen.

Fürstlicher Rückzugsort in der Natur

Einst als Teehaus im Auftrag von Leopold II. im Jahr 1843 errichtet, diente das Prinzenhaus als Rückzugsort für die fürstliche Familie des Hauses Lippe. Neben dem repräsentativen, sommerlichen Jagdschloss Schieder bot sich hier die Möglichkeit einer familiären Auszeit abseits der höfischen Etikette.

Der Landbaumeister des Fürstentums Lippe, Ferdinand Wilhelm Brune, entwarf ein sogenanntes Schweizerhaus mit flach geneigtem Dach, profilierten Pfettenköpfen und zierlichen Holzsägeelementen. In einer Zeit der Romantisierung von Natur als Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung der Umwelt waren Schweizerhäuser eine zeittypische Bauaufgabe. Auf den Aquarellen und Zeichnungen des bekannten lippischen Kunstmalers Ludwig Menke lässt sich die ehemals idyllische Lage und Atmosphäre des Teehauses gut nachvollziehen.

Neues Konzept: Vergangenheit und Zukunft verbinden

Während des vermeintlichen Dornröschenschlafes des Prinzenhauses waren viele Akteure wie der Förderverein „Schloss und Schlosspark Schieder“ und die Stadt Schieder-Schwalenberg aktiv, um Möglichkeiten für eine Sanierung und Nutzung des Teehauses zu schaffen.

Unterstützt mit einer Förderung des Landes wurde die Instandsetzung und der Umbau zu einem öffentlich genutzten Begegnungsraum schließlich in den Jahren 2023 und 2024 durch das Planungsbüro LOMA aus Kassel hervorragend begleitet und denkmalgerecht umgesetzt.

Innenansicht mit neuen Einbauten 2024

Denkmalgerechte Sanierung: Weniger ist mehr

Nach der Entfernung der neueren Einbauten zeigte sich erfreulicherweise, dass wesentliche Bauteile wie die gestaltete Dachkonstruktion und die Holzverzierungen der Türöffnungen nur verkleidet und noch vorhanden waren. Die gute Quellenlage ermöglichte es zudem, die Gebäudehülle denkmalgerecht instand zu setzen und weitestgehend in den Originalzustand zurückzuführen. Auch die heutige Farbfassung wurde auf der Grundlage von Befunden wiederhergestellt.

Von der fürstlichen Innenraumgestaltung gab es leider keine Überlieferungen, sodass mit Ausnahme der Farbgestaltung eine Neuinterpretation des Raumes stattfand. Für die Nutzung erforderliche Einrichtungen wie Küche, Lager und Toiletten wurden als Kubus eingestellt, um einen möglichst großen Gemeinschaftsraum zu schaffen und die verzierte Dachkonstruktion sichtbar zu lassen. Die neuen Einbauten und Materialien wurden hierbei passend zum Befund gewählt und fügen sich sehr gut ein.

Barrierefreie Erschließung

Ebenso dezent und funktional wurde im Außenbereich die notwendige barrierefreie Erschließung über eine seitliche Öffnung ermöglicht. Der Eingangsbereich mit der großzügigen Sandsteinstufenanlage konnte hierdurch erhalten bleiben und prägt die aufwändig gestaltete Hauptansicht des Teehauses.

Erfolg durch Zusammenarbeit

Nach der ursprünglichen Nutzung durch den Adel und dem anschließenden Niedergang ist das Prinzenhaus Schieder heute ein Ort der Begegnung für Bürgerinnen und Bürger.

Das sehr harmonische Erscheinungsbild der historischen Bausubstanz in Verbindung mit der funktionalen Ausstattung zeigt deutlich, dass Engagement und Zusammenarbeit aller Beteiligten zu einem herausragenden Ergebnis führen können.

Autorin

Saskia Schöfer
Praktische Denkmalpflege

saskia.schoefer@lwl.org

Tel: 0251 591-6421

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