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Rautert‘sche Pastorat in Witten-Herbede

Neues Leben im alten Pastorat

Barockes Wohnhaus in Witten-Herbede gerettet
Denkmal des Monats
April 2026

Das Rautert‘sche Pastorat in Herbede wird revitalisiert

Durch hoch engagierte Eigentümer und das Zusammenwirken der Denkmalbehörden mit allen am Bau Beteiligten konnte ein ganz besonderes barockes Wohnhaus in Witten-Herbede erhalten werden. Im Jahr 1766 ließ der evangelische Pfarrer Wilhelm Rautert für sich und seinen Hausstand oberhalb des Dorfes ein Steinhaus mit integriertem Stall errichten – eine frühe Weiterentwicklung des in ganz Nordwestdeutschland verbreiteten Wohnwirtschaftshauses. Nach dem Verkauf an einen hohen Bergbeamten diente das Gebäude über Jahrzehnte verschiedenen Familien als Wohnhaus. Zuletzt stand es seit Jahren leer und war „eingewuchert“.

Rettung um „fünf vor Zwölf“

2020, kurz vor dem eigentlich bereits beschlossenen Abriss, wurde das Haus von einem jungen Paar gekauft. Im selben Jahr wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Witten aufgenommen. Seitdem führen die neuen Eigentümer nach und nach umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durch. Gleichzeitig haben sie das Gebäude behutsam umstrukturiert. So wurde zum Beispiel ein massiver Anbau aus dem 20. Jahrhundert, der direkt vor der ursprünglichen Wohndiele platziert worden war, zurückgebaut. In die verbliebene Öffnung wurde ein großes Wohnraumfenster eingesetzt und der historische Hauseingang auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes reaktiviert.

Nutzung der historischen Räume im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss sind alle Wohnräume rund um den gemauerten historischen Kamin organisiert. Direkt hinter dem Hauseingang liegt der historische Hausflur, links folgen zwei zur Erbauungszeit ofenbeheizte Wohnräume und schließlich, gegenüber dem Hauseingang, die Wohndiele. In diesem Bereich kam während der Arbeiten hinter einem nachträglich eingebauten Bad eine säulenflankierte Kamineinfassung zum Vorschein. Im schmalen Wirtschaftsteil wurde eine kleine Werkstatt mit Lager eingerichtet. Die doppelgeschossige Anlage von Diele und Stall wurde dabei erhalten.

Innentüren aus der Entstehungszeit gerettet

Im Obergeschoss befinden sich jetzt Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Gästezimmer. Kurz vor der Übernahme durch die neuen Eigentümer waren alle Innentüren, die zum Großteil noch aus der Entstehungszeit stammen, bereits ausgebaut worden. Durch das beherzte Agieren der Unteren Denkmalbehörde konnte erreicht werden, dass zwischenzeitlich alle Türen unbeschadet wieder zurückgekommen sind. Sie sollen nach und nach substanzschonend aufbereitet und wieder eingesetzt werden.

Gebäudehülle

Das Dach wurde neu gedeckt, das Dachwerk durch den Einbau einer zweiten Tragstruktur entlastet. Außerdem musste auf der Hangseite die Fachwerkwand zimmermannsmäßig repariert werden. Schrittweise wollen die Eigentümer auch den dick aufgetragenen Zementputz von den früher nur geschlämmten Bruchsteinwänden abnehmen – in Handarbeit!
Die ursprünglichen Fenster sind nicht erhalten. Daher haben die Eigentümer in Abstimmung mit den Denkmalbehörden entschieden, schlichte Holzfenster aus schlanken, grau gestrichenen Profilen einbauen zu lassen.

Gute Aussichten

Derzeit ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Doch schon jetzt ist zu erkennen, dass das Baudenkmal durch die außerordentlich engagierten neuen Eigentümer nicht nur im Bestand gesichert, sondern einfühlsam revitalisiert und in seiner Einzigartigkeit vorbildlich herausgearbeitet werden kann.

Autor

Philipp Strugalla
Praktische Denkmalpflege

philipp.strugalla@lwl.org

Tel: 0251 591-4080

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