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Kirchenbau nach 1945 in Westfalen-Lippe

Erfassung und Bewertung

Im Rahmen des Projekts „Erkennen und Bewahren – Kirchenbau der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen“ sind die evangelischen und katholischen Pfarrkirchen als erste Baugruppe der 1960er- und 1970er-Jahre komplett erfasst und anschließend bewertet worden. Ziel war es, die zeugniswerten Sakralbauten zu identifizieren, um deren dauerhaften Erhalt sichern zu können. Durch die große Datenbasis von mehr als 1300 Objekten aus der Zeit ab 1945 ist es zugleich gelungen, bestehende Forschungsstände zum Kirchenbau weiter zu differenzieren.

Laufzeit: 2009–2018
Projektleitung: Dr. Michael Huyer
Rahmen: NRW-weite Erfassungskampagne

Kirchen nach 1945 unter Druck

Kirchen prägen wie kaum eine andere Bautengruppe das Bild von Städten und Gemeinden und sind bis heute Mittelpunkte religiösen, sozialen und kulturellen Lebens. Einen wichtigen Anteil an dieser Gruppe haben die nach 1945 entstandenen Kirchenbauten, von denen allein in Westfalen-Lippe einmal mehr als 1300 existierten. In der jüngeren Vergangenheit gerieten diese Bauten jedoch durch die veränderten Rahmenbedingungen und die daraus resultierenden Kirchenumnutzungen und -schließungen unter Druck. Ziel des Projektes war es, über eine Gesamterfassung die zeugniswerten Sakralbauten dieser Zeitschicht zu identifizieren und den dauerhaften Erhalt dieses bedeutenden kulturellen Erbes in Zusammenarbeit mit den Unteren Denkmalbehörden und den kirchlichen Partnern zu sichern.

Erfassung und Bewertung

Basis des Projekts bildete eine vom Ministerium für Bauen und Verkehr NRW 2009 initiierte Erfassungskampagne unter dem Titel „Erkennen und Bewahren – Kirchenbau der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen“. Somit konnten die ab 1945 errichteten Neubauten von Pfarrkirchen der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer in NRW praktisch komplett in Text und Foto erfasst werden (die rheinischen Kirchen durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland). Die Bandbreite der Erfassung reichte inhaltlich von Ortsgeschichte und Städtebau über Gemeindegeschichte, Gebäudeentwurf und -veränderungen bis hin zu liturgischen Konzepten und Details der Ausstattung und Materialität. In den Jahren 2015–2018 nahm die Inventarisation der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen dann auf Grundlage dieses umfangreichen Datenmaterials, das in der Amtsdatenbank KlaraDelos aufbereitet wurde, mit eigenen Personalmitteln eine Bewertung der Kirchenbauten in mehreren Durchgängen vor. Dabei fand ein enger Austausch mit den Unteren Denkmalbehörden, der LVR-Denkmalpflege, aber auch den kirchlichen Obereinheiten statt.

Evolutionäre Neuerungen statt revolutionärer Brüche

Neben der Identifizierung der aus denkmalpflegerischer Sicht relevanten Objekte ermöglichte die umfassende Datenbasis des Projekts, bisherige Forschungsstände weiter zu differenzieren und Entwicklungen mit statistischen Daten zu hinterlegen. Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählt, dass einfache lineare Fortschrittsmodelle die Entwicklung des Sakralbaus nicht angemessen beschreiben. Statt revolutionärer Brüche erfolgten evolutionäre Neuerungen, die durch ein Nebeneinander von Traditionellem und „Neuem“ im gesamten Bauschaffen und häufig sogar in den einzelnen Entwürfen gekennzeichnet sind. Auch die Bedeutung und Vielfalt traditionsbestimmter Architektur, die die Forschung wenig beachtet hatte, konnte bis in die 1950er-Jahre herausgearbeitet werden. Ebenso heterogen ist im Übrigen der Bestand der stark am Profanbau orientierten und daher häufig geringgeschätzten Gemeindezentren der 1970er-Jahre. Unter diesen Objekten befinden sich nach den Erkenntnissen des Projekts einige Bauten von großer Qualität und großem Zeugniswert. Nicht zuletzt konnte auch der prägende Einfluss der kirchlichen Obereinheiten auf das jeweilige Baugeschehen nachgewiesen werden.

Publikation

Kirchenbau nach 1945

Entwicklung und Bestand in Westfalen-Lippe

von Heinrich Otten, Knut Stegmann und Michael Huyer

21. Arbeitsheft. Münster 2026 | 432 Seiten, 708 Abbildungen
ISBN 978-3-949076-38-1 | 48,00 €

Kirchen prägen wie kaum eine andere Gebäudegruppe das Bild von Städten und Gemeinden und sind bis heute Mittelpunkte religiösen, sozialen und kulturellen Lebens. Nach 1945 entstanden allein in Westfalen-Lippe über 1300 neue Kirchen. Diese Bauten geraten inzwischen u. a. durch Kirchenumnutzungen und -schließungen zunehmend unter Druck. Ein groß angelegtes Projekt des Denkmalfachamtes hat deshalb alle evangelischen und katholischen Pfarrkirchen in Westfalen-Lippe nach 1945 erfasst. Ziel des Projektes war es, über eine vollständige Erfassung der Kirchenbauten den Erhalt dieses bedeutenden kulturellen Erbes zu sichern. Das Buch vermittelt einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der jüngeren Sakralarchitektur der Region, bietet Einführungen in die Grundlagen sowie Hintergründe und beleuchtet Themen wie Materialität und Konstruktion, Städtebau oder Glasmalerei.

Arbeitsheft 21 über die ULB Münster herunterladen (PDF, nicht barrierefrei)
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Cover des Arbeitsheftes mit der Kirche St. Barbara in Dorsten-Wulfen

Greven | kath. Kirche St. Wendelin

Greven | kath. Kirche St. Wendelin

Münster | ev. Erlöserkirche

Münster | ev. Erlöserkirche

Rietberg | kath. Kirche St. Marien

Rietberg | kath. Kirche St. Marien

Reken | kath. Kirche St. Heinrich

Reken | kath. Kirche St. Heinrich

Lage | kath. Kirche St. Peter und Paul

Lage | kath. Kirche St. Peter und Paul

Hagen | kath. Kirche St. Petrus Canisus

Hagen | kath. Kirche St. Petrus Canisus

Espelkamp | ev. Thomaskirche

Espelkamp | ev. Thomaskirche

Bottrop | kath. Kirche Heilig Kreuz

Bottrop | kath. Kirche Heilig Kreuz

Lippstadt | ev. Johanneskirche

Lippstadt | ev. Johanneskirche

Telgte | kath. Kirche St. Johannes

Telgte | kath. Kirche St. Johannes

Gelsenkirchen | ev. Thomaskirche

Gelsenkirchen | ev. Thomaskirche

Arnsberg | kath. Kirche St. Norbertus

Arnsberg | kath. Kirche St. Norbertus

Detmold | ev.-ref. Versöhnungskirche

Detmold | ev.-ref. Versöhnungskirche

Oer-Erkenschwick | St. Josef

Oer-Erkenschwick | St. Josef

Hamm | kath. Kirche St. Marien

Hamm | kath. Kirche St. Marien