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Blick durch die Große Allee auf das Mahnmal im Südteil des Stadtgartens und in zwei Sichtschneisen

Vergangenheit blüht für die Zukunft

Der Stadtgarten Gelsenkirchen
Denkmal des Monats
Mai 2026

„Zukunft.Blüht“

Unter diesem Motto entsteht derzeit in Gelsenkirchen auf einer Emscher-Insel ein Zukunftsgarten für die IGA 2027 (Internationale Gartenausstellung). Nicht weit entfernt liegt der Stadtgarten, der kürzlich unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Park birgt eine Fülle vielfältiger Gartenräume und einen großen Reichtum an seltenen und ausdrucksstarken Bäumen aus verschiedenen Zeitschichten. Über 125 Jahre sorgsam gepflegt, zeigt die Anlage, wie wertvoll die grüne Zukunft von gestern auch heute noch ist.

Die Entstehungszeit

Kohle und Stahl ließen Gelsenkirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts von einem kleinen agrarisch geprägten Kirchdorf zu einer der bedeutendsten deutschen Montanstädte wachsen. Die Einwohnerzahl stieg von 505 im Jahr 1819 auf 100.000 Einwohner im Jahr 1903. Ein kaum fassbares und schwer steuerbares Wachstum. Verwaltungsstrukturen mussten permanent angepasst und ausgebaut werden, ebenso die städtische Infrastruktur. Es entstanden neue Stadtviertel und neue öffentliche Bauten. Dieses Wachstum an Größe, Bedeutung und Selbstbewusstsein ließ in den 1890er-Jahren auch den Wunsch nach einer stadteigenen repräsentativen Grünanlage entstehen.

Vom Kaiser-Wilhelm-Garten zum Stadtgarten

1895 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Ankauf des künftigen Stadtgartengeländes westlich der damaligen Stadtgrenze. Den Entwurf lieferte der Essener Stadtgartendirektor Heinrich J. Stefen. 1897 wurde der Park als „Kaiser-Wilhelm-Garten“ eingeweiht. Dieser erste kommunale Park Gelsenkirchens war ein so großer Erfolg, dass er in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert werden musste: 1902, 1912 und um 1925. Verantwortlich zeichnete nun der neue Gelsenkirchener Gartenbaudirektor Ludwig Simon. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren unter Gartenbaudirektor Ernst Max Gey der Gehölzbestand teilweise erneuert, der Rosengarten erhielt eine zeitgemäße Gestalt. Neu entstanden der Dahlien- und Wassergarten, die Pergolen an der Zeppelinallee und zwei Mahnmale.

Besondere Parkbilder

Der Stadtgarten besteht aus zwei Teilen, verbunden durch die imposanten Platanenreihen der Zeppelinallee. Im Nordteil dominieren die beiden Teiche und der Rosengarten. Sehr schön ist ein Parkbild, das sich im Nordosten von einer kleinen Anhöhe herab ergibt. Aus einer offenen Schutzhütte heraus, die inmitten eines Platanenrondells steht, öffnet sich den Hang hinab der Blick auf den großen Teich. Geschwungene Wege und sorgsam an den Rändern der Rasenfläche platzierte Gehölze gestalten einen in der Tiefe gestaffelten, spannungsvollen Raum. Bemerkenswert ist, dass dieses schöne Parkbild aus der Entstehungszeit des Stadtgartens um 1897 stammt.

Rodelberge und Wassergärten

Im südlichen Teil wird das Parkerlebnis von weitläufigen Rasenflächen geprägt, welche durch vielfältige Gehölze eingefasst und strukturiert werden. Quer hindurch zieht sich die Große Allee, welche südlich auf das eindrucksvolle Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus zuführt. Ein besonders schöner Ort im Südteil ist der Simonsberg. Benannt nach dem Gartenbaudirektor Simon, dient er im Winter als Rodelberg und ansonsten als erholsamer Aufenthaltsort.

Beeindruckend sind die aus den 1920er-Jahren stammenden vielfältigen Sichtachsen, die alten Platanen und die das Aussichtsplateau rahmenden Treppen und Mauerzüge. Andere benachbarte Bereiche wie der opulente Wassergarten oder der große Spielplatzbereich zeigen anschaulich und qualitätsvoll, wie sich die Nachkriegszeit einen zukunftsträchtigen Park vorstellte.

Bedeutung des Stadtgartens

Der Stadtgarten Gelsenkirchen weist mit seinen großen gartenkünstlerischen Raumbildern, seinen kleineren Anlagenteilen und seinen wertvollen Gehölzen eine besondere Bedeutungsfülle auf. Stadt- und Gartengeschichte sind hier ebenso lebendig erfahrbar wie die sich wandelnden Ansprüche der Stadtgesellschaft an den Park als grünen Erholungsraum. Unübersehbar ist, welch hohen Stellenwert Gartenkultur, Grünplanung und Erholungsfunktion im politischen und planerischen Handeln der Stadt Gelsenkirchen besaßen und besitzen. Entsprechend erfuhr der Stadtgarten unter den Gartendirektoren Simon, Gey und ihren Nachfolgern eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Pflege, so dass heute Spuren aus allen Entwicklungsphasen in harmonischem Nebeneinander zu erleben sind. In Abwandlung des IGA-Mottos lässt sich sagen: „Vergangenheit.Blüht“.

Gartendenkmalpflege

Dr. Christof Baier

christof.baier@lwl.org

Tel: 0251 591-4204

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