Barrierefrei in die Zukunft: Schloss Oberwerries in Hamm
Denkmal des Monats Juli 2026
Das Schloss wird barrierefrei
Ein Wasserschaden im Haupthaus von Schloss Oberwerries im Jahr 2023 war Ausgangspunkt für umfangreiche Baumaßnahmen. Im Zuge dessen ließ die Stadt Hamm einen barrierefreien Zugang einbauen, der sich vorbildhaft in das Erscheinungsbild einfügt.
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Bedeutende Baumeister
Das Wasserschloss Oberwerries erhebt sich am äußersten Stadtrand im Nordosten von Hamm, ländlich und landschaftlich reizvoll am Übergang zum Münsterland an der Lippe gelegen. Die Anlage erstreckt sich auf zwei von Gräften umgebenen Inseln – auf der einen das stattliche Haupthaus, auf der anderen die Wirtschaftsgebäude mit dem Marstall und dem Torhaus als Vorburg. Zwei bedeutende Architekten sind für Oberwerries zu nennen: Der Kapuzinermönch und Baumeister Ambrosius von Oelde, der im Auftrag von Fürstbischöfen in Westfalen etliche Klöster, Kirchen und Schlösser erbaute, errichtete 1685-92 das zweiflügelige Haupthaus. Ein weiterer bedeutender westfälischer Baumeister des Barock, Johann Conrad Schlaun, zeichnet für den Marstall verantwortlich, der 1730/35 errichtet wurde.
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Foto: Hans Blossey
Münsterländische Backsteinarchitektur des 17. Jahrhunderts
Die Architektur der in Backstein errichteten Schlossanlage wirkt typisch münsterländisch. Das Haupthaus mit dem Mansarddach, zwei mächtigen Kaminen und dem Pavillonturm mit seiner geschweiften Dachhaube, beherrscht die Schlossanlage. Die Fenster sind als Kreuzstockfenster mit Sandsteinrahmungen ausgeführt. Im inneren Gebäudewinkel des Herrenhauses liegt die Freitreppe mit dem wappenbekrönten Haupteingang. Die Bauaktivitäten im 17. Jahrhundert wurden durch die Mitgift von Maria Ida von Plettenberg-Lenhausen ermöglicht, die diese 1663 in die Ehe mit Johann Friedrich von Beverförde einbrachte. 1667 wurde zunächst das Torhaus gebaut. Früh verwitwet begann sie dann 1685 mit dem Schlossneubau. Nur zwei Generationen bewohnten das Herrenhaus, bevor es für lange Zeit leer stand und verfiel. Spätere Abbruchabsichten in den frühen 1920er Jahren konnten durch einen Bürgerprotest aufgehalten werden. 1942 erwarb die Stadt Hamm die Anlage. Der Marstall wird seit 1951 durch den Westfälischen Turnerbund genutzt. Das Haupthaus wurde ab 1953 bis in die 1980er-Jahre mit größeren Eingriffen instandgesetzt und dient seither als Bildungs- und Begegnungsstätte.
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Foto: Detlef Podehl
Aktuelle Maßnahmen
Ausgangspunkt der letzten Maßnahmen im Westflügel war ein größerer Wasserschaden im Rohrsystem innerhalb der Außenwände, der sich über mehrere Geschosse ausbreitete. Obwohl überwiegend nachkriegszeitliche Bausubstanz betroffen war, war der Instandsetzungsaufwand groß. Neben dem Einbau von Ankern über dem Kellergewölbe mussten die Installationsleitungen erneuert und sämtliche Oberflächen der Raumschalen im gesamten Flügel überarbeitet werden. So konnten weniger geeignete Zementputze gegen substanzverträgliche Kalkputze ausgetauscht werden. Im Jahr 2025 wurde als nächste Baumaßnahme die Instandsetzung der Fassaden am Torhaus durchgeführt. Dem schließen sich demnächst weitere Arbeiten an Dachwerk und Laterne an.
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Gelungene Gestaltung
Zu den denkmalpflegerisch besonders gelungenen Maßnahmen gehört der barrierefreie Zugang in das Schlossgebäude: Das Eingangspodest der zweiläufigen Freitreppe im Gebäudewinkel wurde angehoben, um die Stufe an den Eingängen zum Erdgeschoss zu überwinden. Die Eingriffe waren möglich, weil die Bausubstanz der Treppenanlage und des schmiedeeisernen Brüstungsgitters nicht mehr vollständig bauzeitlich ist.
Als barrierefreier Zugang wurde ein Plattformlift außen an das Podest so angeordnet, dass vom Brüstungsgitter nur exakt zwei Elemente entnommen werden mussten. Für die Gestaltung der Umwehrung der Plattform wurden Bögen aus den barocken Bestandsgittern modern interpretiert. Die Einpassung erfolgte mit größter Präzision und mit Liebe zum Detail. Die technisch notwendigen Bauteile sind sehr zurückhaltend geplant.
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Der Plattformlift
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Zukunft gesichert
Durch die technischen Instandsetzungs- und Renovierungsmaßnahmen im Inneren sowie den neuen barrierefreien Zugang und deren ansprechende Gestaltung ist die Zukunft des Schlosses für die kommenden Jahre gesichert.
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